Gasheizung oder Wärmepumpe: Was ist günstiger?

So vergleichst du die Betriebskosten von Gasheizung und Wärmepumpe fair: Heizwärmebedarf, Nutzungsgrad, JAZ und Beispielrechnung nebeneinander.

Gasheizung und Wärmepumpe lassen sich bei den Betriebskosten nur fair vergleichen, wenn beide von derselben Wärmemenge ausgehen. Bei Gas gehört der Nutzungsgrad in die Rechnung, bei der Wärmepumpe die Jahresarbeitszahl (JAZ). Dieser Ratgeber vergleicht deshalb laufende Energiekosten, nicht Anschaffung, Förderung oder rechtliche Vorgaben.

Die gemeinsame Ausgangsgröße: Heizwärmebedarf

Der Vergleich startet mit dem jährlichen Heizwärmebedarf des Gebäudes. Er beschreibt, wie viel Wärme die Räume übers Jahr brauchen, bevor ein Wärmeerzeuger ins Spiel kommt. Für eine grobe Schätzung kannst du Wohnfläche und einen spezifischen Bedarf in kWh/m² pro Jahr verwenden:

Nutzenergie = Wohnfläche × Heizwärmebedarf pro m²

Wie hoch dieser Wert je nach Bauzustand ungefähr ausfällt, zeigt die Tabelle Heizwärmebedarf nach Gebäudetyp. Der Wert bleibt eine Näherung: Warmwasser, Nutzerverhalten, Wetterjahr und reale Regelung können die spätere Abrechnung sichtbar verschieben.

Gas rechnen: Nutzungsgrad einbeziehen

Bei Gas reicht es nicht, die benötigte Wärme direkt mit dem Gaspreis zu multiplizieren. Die Heizung muss mehr Endenergie einkaufen, als später als nutzbare Wärme im Gebäude ankommt. Der Nutzungsgrad bildet diesen Unterschied ab:

Gas-Endenergie = Nutzenergie ÷ Nutzungsgrad

Gaskosten = Gas-Endenergie × Gaspreis

Ein Nutzungsgrad von 0,90 bedeutet in dieser Rechnung: Für 10.000 kWh Wärmebedarf werden rechnerisch rund 11.111 kWh Gas-Endenergie benötigt. Trage den Nutzungsgrad möglichst aus Kesseldatenblatt, Wartungsprotokoll oder Schornsteinfegerangaben ein. Gerade bei Gas darfst du Heizwert- und Brennwert-Bezüge nicht mischen, sonst vergleichst du unterschiedliche Grundlagen. Wenn du zuerst deinen Zählerstand in kWh umrechnen musst, hilft der Ratgeber Gaszähler ablesen und Verbrauch umrechnen.

Zum Rechnen mit Wohnfläche, Heizwärmebedarf, Nutzungsgrad und Energiepreis passt der Heizkostenrechner.

Wärmepumpe rechnen: JAZ einbeziehen

Bei der Wärmepumpe ist die gemeinsame Ausgangsgröße ebenfalls die benötigte Wärme. Die Anlage kauft aber Strom ein und erzeugt daraus mehrere Kilowattstunden Wärme. Das Verhältnis beschreibt die Jahresarbeitszahl:

Stromverbrauch = Nutzenergie ÷ JAZ

Wärmepumpenkosten = Stromverbrauch × Strompreis

Eine JAZ von 3,5 heißt in der Rechnung: Aus 1 kWh Strom werden 3,5 kWh Wärme. Je niedriger die nötige Vorlauftemperatur ist, desto leichter erreicht die Anlage eine gute JAZ. Wenn das Gebäude hydraulisch schlecht abgeglichen ist, können einzelne Räume zu wenig Wärme bekommen und die Anlage läuft mit unnötig hohen Temperaturen. Den technischen Hebel erklärt der Ratgeber Heizung optimieren: hydraulischer Abgleich.

Für die Stromseite nutzt du den Wärmepumpenrechner. Er erwartet den jährlichen Wärmebedarf, eine JAZ und den Strompreis.

Beispielrechnung nebeneinander

Angenommen ist ein Gebäude mit 90 m² Wohnfläche und 130 kWh/m² Heizwärmebedarf pro Jahr. Daraus ergeben sich 11.700 kWh Nutzenergie. Für Gas wird im Beispiel ein Nutzungsgrad von 0,90 und ein Gaspreis von 0,12 €/kWh angesetzt. Für die Wärmepumpe stehen eine JAZ von 3,5 und ein Strompreis von 0,30 €/kWh daneben. Die 0,30 €/kWh stehen für einen eigenen Wärmepumpentarif, nicht für den Haushaltsstrompreis; solche Tarife können wegen reduzierter Netzentgelte nach § 14a EnWG niedriger liegen. Das sind Rechenannahmen für den Vergleich, keine allgemeinen Preis- oder Anlagenwerte; Preisstand und Region sind hier nur als Beispiel DACH 2026 gemeint.

GrößeGasheizungWärmepumpe
Nutzenergie11.700 kWh11.700 kWh
EffizienzfaktorNutzungsgrad 0,90JAZ 3,5
Eingekaufte Energie13.000 kWh Gasca. 3.343 kWh Strom
Energiepreis0,12 €/kWh0,30 €/kWh
Betriebskosten pro Jahr1.560 €ca. 1.003 €

Die Tabelle zeigt nur den Rechenweg. Ändert sich einer der vier Werte, kann das Ergebnis kippen: Wärmebedarf, Nutzungsgrad, JAZ oder Energiepreis.

Wann Gas trotzdem günstiger bleiben kann

Gas kann in der Betriebskostenrechnung günstiger bleiben, wenn mehrere Werte gegen die Wärmepumpe laufen: eine niedrige realistische JAZ, ein hoher Strompreis, ein niedriger Gaspreis oder ein vorhandener Gaskessel mit gut belegtem Nutzungsgrad. Besonders kritisch ist die JAZ, weil sie nicht nur vom Gerät abhängt, sondern auch von Vorlauftemperatur, Heizflächen, Regelung und Gebäudezustand.

Umgekehrt reicht ein günstiger Stromtarif allein nicht, wenn der Wärmebedarf hoch bleibt und die Wärmepumpe dauerhaft mit hohen Temperaturen arbeiten muss. Für die breitere Gebäudeeignung, also jenseits dieser reinen Betriebskostenrechnung, führt der Ratgeber Lohnt sich eine Wärmepumpe? die wichtigsten Kriterien zusammen.

Wo der Vergleich nicht trägt

Diese Rechnung beantwortet nur: Welche laufenden Energiekosten ergeben sich aus denselben kWh Wärmebedarf unter bestimmten Annahmen? Sie ersetzt keine Heizlastberechnung, keine Planung der Heizflächen und keine Auswertung deiner tatsächlichen Abrechnung.

Nicht enthalten sind Anschaffungskosten, Wartung, Finanzierung, Förderung, Steuer- oder Rechtsfragen. Auch die Warmwasserbereitung fehlt, sofern du sie nicht separat in den Wärmebedarf einrechnest. Nutze den Vergleich deshalb als Plausibilitätscheck: Erst denselben Heizwärmebedarf festlegen, dann Gas über Nutzungsgrad und Wärmepumpe über JAZ rechnen, danach die Grenzen der Annahmen prüfen.

Quellen

  • BDEW-Gaspreisanalyse August 2026

    BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.PrimärquelleDort wörtlich: „Der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte in Einfamilienhäusern beträgt 2026 bisher 11,93 ct/kWh.“ Die 0,12 €/kWh der Beispielrechnung sind dieser auf zwei Nachkommastellen gerundete Wert; er bezieht sich auf den Brennwert (Hs). Für Mehrfamilienhäuser nennt dieselbe Analyse 11,17 ct/kWh.Abruf: 29.08.2026

  • Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), § 14a Netzorientierte Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und steuerbaren Netzanschlüssen

    Bundesministerium der Justiz / jurisNormAbsatz 2 verpflichtet Verteilernetzbetreiber, ein reduziertes Netzentgelt zu berechnen, wenn im Gegenzug die netzorientierte Steuerung vereinbart wird; Absatz 3 nennt Wärmepumpen ausdrücklich als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Belegt ist damit, dass ein Wärmepumpentarif wegen reduzierter Netzentgelte unter dem Haushaltsstrompreis liegen kann — nicht, wie groß die Differenz ausfällt. Die 0,30 €/kWh sind deshalb eine Rechenannahme, kein Marktdurchschnitt.Abruf: 29.08.2026

  • VDI 4650 Blatt 1 — Kurzverfahren zur Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen

    Verein Deutscher Ingenieure (VDI)NormDas Regelwerk, nach dem die Jahresarbeitszahl einer geplanten Anlage vorausberechnet wird. Es trägt die Aussage, dass die JAZ eine anlagen- und gebäudebezogene Grösse ist, die aus Vorlauftemperatur, Wärmequelle und Auslegung folgt — und keine Konstante, die diese Seite vorgeben könnte. Ohne URL, weil das Regelwerk kostenpflichtig ist.Abruf: 29.08.2026

  • DVGW-Arbeitsblatt G 685 — Gasabrechnung

    Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW)NormLegt die Abrechnungsformel fest: Energie in kWh = Volumen in m³ × Zustandszahl × Brennwert. Damit ist auch belegt, dass die deutsche Gasabrechnung auf den Brennwert (Hs) bezogen ist und nicht auf den Heizwert. Zustandszahl und Brennwert sind netzgebietsabhängig und stehen auf der eigenen Abrechnung; eine bundesweit gültige Tabelle gibt es deshalb nicht. Ohne URL, weil das Regelwerk kostenpflichtig und nicht frei abrufbar ist.Abruf: 29.08.2026